Afrikamera: Re_Imaging Africa 2013

Von Ouagadougou bis Antananarivo hat sich in den letzten Jahren eine lebhafte Festivalszene entwickelt. Das burkinische FESPACO oder das tunesische JCC haben es bereits geschafft, sich einen festen Platz als Treffpunkte der globalen Filmszene zu erarbeiten. Jüngere Filmfestivals wie das madagassische Kurzfilmfestival RENCONTRES DU FILM COURT oder das COMOROS INTERNATIONAL FILM FESTIVAL (CIFF) sind auf dem Weg dorthin.

Festivals haben sich als Schaufenster für aktuelles Kino aus Afrika und als Sprungbretter für junge afrikanische Filmemacher etabliert. Gleichzeitig eröffnen immer mehr Filmschulen, die es jungen afrikanischen Filmemachern ermöglichen sollen, eigene Visionen vom afrikanischen Kino zu entwickeln und umzusetzen. In diesem Zusammenhang gewinnen strategische Partnerschaften zwischen Filmfestivals und Filmschulen eine immer größere Bedeutung.

Aus diesem Grund hat toucouleur e.V. das auf drei Jahre angelegte Projekt RE_IMAGING AFRICA: Issues, Perspectives and Utopias of Contemporary African Cinemas initiiert.

Die im Zeitraum von November 2013 bis März 2015 stattfindenden Film-, Wort- und Seminarveranstaltungen stellen die Förderung der Austauschbeziehungen zwischen ausgewählten Filmfestivals und Filmschulen in Deutschland und in den afrikanischen Ländern in den MittelpunktEin zentraler Baustein des Projekts ist das Austauschprogramm „Moving Images, Moving Experiences“ zwischen afrikanischen Filmschulen und deutschen Filmhochschulen, das im Jahr 2014 starten soll. Spielorte von RE_IMAGING AFRICA sind neben Berlin und Kassel (Dokfilmfest) auch die Partnerfestivals in den afrikanischen Ländern.

Zum Auftakt werden im Kino Arsenalvier mit den Partnern in Afrika bilateral kuratierte Filmprogramme zu Themen präsentiert, die die „Post Independence Generation“ junger afrikanischer Filmemacher heute bewegen, darunter sind einige Deutschlandpremieren.

Das Thema Auswanderung und Identität zieht sich wie ein roter Faden durch den afrikanischen Film. Das gemeinsam von AFRIKAMERA – AKTUELLES KINO AUS AFRIKA mit dem FESPACO kuratierte Programm präsentiert neben Klassikern des Genres wie GITO THE UNGRATEFUL (16.11.) auch jüngere Filme zum Thema wie ESPOIR VOYAGE (16.11.). Hier macht sich der burkinische Regisseur Michel K. Zongo auf eine persönliche Spurensuche nach seinem älteren Bruder Joanny, der in der Elfenbeinküste sein Glück versuchte und dort verschwand.

Filme zum Themenkomplex „Africa in Transition“ werden gemeinsam mit dem tunesischen Festival JOURNEES CINEMATOGRAPHIQUES DE CARTHAGE (JCC) vorgestellt – beheimatet in dem nordafrikanischen Land, in dem die sogenannte „Arabellion“ begann. Während C´EST EUX LES CHIENS (13.11.) von den Umbrüchen in Marokko erzählt, führt die Dokumentation ATALAKU (17.11.) mitten hinein in den Präsidentschaftswahlkampf in der Demokratischen Republik Kongo im Jahre 2012.

Das von Laza (RENCONTRES DU FILM COURT (RFC)) gemeinsam mit Mohamed Saïd Oumar (COMOROS INTERNATIONAL FILM FESTIVAL (CIFF)) zusammengestellte Programm richtet den Fokus auf die Filmszene der ostafrikanischen Inseln, einer Region, die auf der Landkarte des Weltkinos bislang noch weitgehend unbekannt ist.

Gezeigt werden unter anderem aktuelle African Island Shorts (15.11.) als Deutschlandpremieren.

Das ebenfalls von Laza kuratierte Programm „Africa for the Future“ stellt eine Auswahl von innovativen Kurzfilmen aus Tunesien, Gabun, Südafrika und Sambia vor, die sich durch eine Filmsprache jenseits sozialrealistischer Nüchternheit auszeichnen.

Mit Jean-Pierre Bekolo ist einer der großen Visionäre des aktuellen Kinos aus Afrika zu Gast. Die Vorstellung Ousmane Sembènes erweiternd, mit Hilfe des Kinos das Bewusstsein und damit Gegenwart zu entwickeln und zu verändern, begreift Bekolo Kino als „imaginative space“ für die Entwicklung von Ideen. Er stellt zum Abschluss von RE_IMAGING AFRICA seinen neuesten Film LE PRESIDENT vor, der aus Angst vor Repressionen erst einmal auf dem afrikanischen Kontinent gezeigt werden konnte.

Neben den Filmprogrammen steht der Samstag (16.11.) im Zeichen des ganztägigen Symposiums „The Art of Collaboration“. Eingeladen sind Akteure aus Kultur, Politik, Medien und Zivilgesellschaft, die sich mit den Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent befassen und diese unterstützen: Kulturschaffende, Journalisten und Mitglieder von NGOs, genauso wie Vertreter der beteiligten Filmschulen und Filmfestivals. Diskutiert werden neue Modelle und Wege der partnerschaftlichen Kooperation zwischen Filmakteuren in Deutschland und afrikanischen Ländern sowie die Frage, wie über das Medium Film neues Engagement für deutsch-afrikanische Partnerschaften generiert werden kann.

Das Symposium findet statt in Kooperation mit dem COMENGA-Programm der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und der Heinrich-Böll-Stiftung.

Im Anschluss darf gefeiert werden: RE_IMAGING AFRICA und INTERFILM laden am Samstag (16.11.) zu einer gemeinsamen FESTIVALPARTY in den Grünen Salon (Volksbühne) in Berlin-Mitte.

Weitere Infos zum Filmfestival findet ihr auf: http://www.afrikamera.de/de/festival/

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