Miteinander, für Mandela und Einander

Lamine Hané, Andrea Wiethoff und Louis-Jean Mendy (v.l.n.r) haben als Veranstalter und Musiker, bereits mehrere Konzerte in Berlin organisiert. Am erfolgreichsten und bekanntesten ist wahrscheinlich ihre Konzertreihe zu Ehren Nelson Mandelas. Jetzt haben sie auch  einen Verein gegründet, Ubuntu e.V.. Vor den Feiertagen haben wir uns mit Ihnen zusammengesetzt, um bei einem Tee in gemütlicher Atmosphäre über Ubuntu, Mandela und Ihre Pläne für das Jahr 2016 zu sprechen.

Könnt ihr uns, als Erstes, ein wenig über euren neuen Verein erzählen? Und wofür der Name eures Vereins steht?

Louis-Jean:

Ubuntu ist ein südafrikanisches Wort, es stammt aus dem Xhosa und steht für eine gewisse Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen. Genauer gesagt bedeutet es soviel wie „Offenheit“, es umschreibt auch eine gewisse Willkommenskultur. Wer Ubuntu lebt, heißt jeden Menschen, der auf einen zukommt, willkommen und zeigt sich ihm gegenüber von seiner besten Seite: offen, warmherzig und freundlich. Anders gesagt, man nimmt seinen Mitmenschen nicht nur wahr, man lässt sich auch auf ihn ein. Es ist ein Begriff, den Mandela gerne gebrauchte. Er erklärte seiner Meinung nach am besten, wie er sich ein gesellschaftliches Miteinander vorstellte.

Was bedeutet Ubuntu denn konkret für euren Verein?

Louis-Jean:

Wir versuchen Mandelas Visionen umzusetzen. Ich meine ich spreche hier für uns alle drei, wenn ich sage, wir verehren  Nelson Mandela, schon alleine weil er Ubuntu vor- und auch gelebt hat.Wir wollen, auf einer künstlerischen Ebene, ihm und seiner Philosophie nacheifern.

Andrea:

Ursprünglich wollten wir im Rahmen des Vereins nur weitere Tribute-Konzerte für Nelson Mandela organisieren. Dafür wollten wir Musiker aus der ganzen Welt und jedes Genre einladen, um mit uns und in Reminiszenz an diese Persönlichkeit Kunst zu schaffen. Die Einnahmen sollten im Nachhinein nicht nur den Aufwand der Künstler abdecken, sondern zum Großteil an die Nelson Mandela Foundation gehen. Wir haben uns jedoch entschieden mit unserem Verein einen Schritt weiterzugehen. Zunächst wollen wir noch andere Projekte in Angriff nehmen und unsere Aktivitäten über Berlin hinaus ausweiten.

Welche neuen Projekte sollen, denn in diesem Rahmen realisiert werden?

Andrea:

Zurzeit befinden wir uns noch in unserer Aufbau- und Planphase.

Was plant ihr denn als Erstes in Angriff zu nehmen, was soll dieses Jahr noch erreicht werden?

Andrea:

Wir werden dieses Jahr auf jeden Fall nochmal Musik machen und auf die Bühne bringen. Louis- Jean hat bereits ein Mandela Tribute Album aufgenommen. Es wird wahrscheinlich gegen Mitte des Jahres veröffentlicht. Es gibt auch Unmengen an Videomaterial zu diesem Album, da es zum Teil in Jamaika, Frankreich und Südafrika aufgenommen wurde. Wir wollten einfach diese Erfahrungen und Menschen festhalten. Dieses Material bearbeiten wir zum Beispiel zurzeit.

Louis-Jean:

Wir stecken zwar noch in den Kinderschuhen, aber wir wissen schon wo lang es gehen soll. Es gibt weltweit so viele Künstler, also auch welche, die wir persönlich kennen, die gerne hier in Berlin  auftreten würden. Wir würden gerne in der Lage sein diese Gleichgesinnten hier nach Berlin einzuladen. Wir wollen unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten mit Ihnen teilen.

Lamine:

Es geht hier nicht nur darum Musiker aus aller Herren Länder einzuladen oder gegebenenfalls selbst zu besuchen. Es wird auch ohne unser Zutun auf der Welt musiziert oder man drückt sich auf andere Weise künstlerisch aus. Aber ich weiß zum Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung, dass es auch Orte gibt, wo ein Zugang zu Kunst erschwert wird. Ich erinnere mich, wie ich als Kind noch auf selbstgebastelten Streichinstrumenten spielte. Mein Vater war auch kein großer Fan von meinem Hobby. Heute tue ich mein Bestes, um eine Instrumentensammlung aufzubauen, die ich später weitergeben möchte, damit Talente auf der ganzen Welt eine bessere Chance erhalten sich auch musikalisch auszudrücken. Wir wollen mit unserer Musik und den Einnahmen daraus helfen.

Der Verein bedeutet für uns aber noch viel mehr. Es geht nicht nur darum eine wohltätige Mission zu erfüllen oder unsere Neugier zu befriedigen. Wir versuchen ein gewisses Weltverständnis zu vermitteln.

Wir haben ja bereits über Ubuntu geredet, wo kommen Ubuntu und euer Weltverständnis zusammen? Hat Mandela dort auch noch einen Platz?

Louis-Jean:

Natürlich gehört Mandela hier auch dazu. Er hat selbst einmal behauptet, dass, wenn er kein Politiker geworden wäre, er wahrscheinlich Musik gemacht hätte. Guckt man sich zudem die Anti-Apartheid Bewegung an erkennt man, dass Musik dort eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Anstatt in  fremden Ländern Ansprachen zu halten, gab man Konzerte zu Ehren der Vertreter der Bewegung. Außerdem haben Musiker wie Miriam Makeba und ihr weltweiter Erfolg dazu beigetragen, dass man überhaupt erst von Südafrika spricht.

Lamine:

Unserer Meinung nach kann Musik auch als eine Art Brücke oder Kommunikator dienen. Ich meine das ist etwas kulturübergreifendes. Überall auf der Welt wird Musik gemacht und gehört. Man hört sich auch Musik an, die an Orten entstanden ist, wo man nicht lebt.

Louis-Jean:

Jede Form von Kunst, in unserem Fall halt die Musik, kann soviel über Worte hinaus vermitteln, wie z. B. Gefühle. Sie übersteigt Worte, weil sie etwas vermitteln kann, das mit Worten nur schwer zu transportieren ist. Ein Lied kann dafür sorgen, dass man Sehnsucht nach fremden Orten bekommt oder den Schmerz des Künstlers nachempfindet. Musiker verbreiten so nicht nur Ihre eigenen Emotionen, sondern erreichen auch, dass fremde Emotionen nahbar und nachvollziehbar werden. Musik kann etwas, was Politik nicht kann, auch wenn sich die Aussagen überschneiden mögen.

Lamine:

Außerdem erinnern sich die Leute eher an einen Songtext als an eine politische Rede.

Louis-Jean:

Künstler haben auch nicht die gleichen Probleme (lacht). Wenn es darum geht Ihre Kunst zu entwickeln oder zu bereichern, kennen sie keine Grenzen. Man braucht sich nur anzusehen, wie viele israelische und palästinensische Künstler zusammenarbeiten.

Andrea:

Ich war auch erst kürzlich in Kuba, dort haben ebenfalls Amerikaner und Kubaner zusammengearbeitet, trotz Embargos und politischer Funkstille.

Man kann in euren Antworten immer wieder raushören, dass ihr auch politisch seid. Mich würde daher interessieren, was euer Lieblingszitat von Nelson Mandela ist?

Louis-Jean:

„I am against white domination and I am against black domination.“

Andrea:

Ja, genau.

Lamine:

Das würde ich so unterstreichen.

Andrea:

Ich meine, es geht generell darum, dass jede Form von Dominanz inakzeptabel ist. Sei es zwischen Mann und Frau, West und Ost, Nord und Süd und so weiter…

Louis-Jean:

Wir kommen alle aus den verschiedensten Ecken und sind auch in manch anderer Hinsicht verschieden, aber wir verstehen uns und im Verein werden alle Entscheidungen einstimmig getroffen!

 Zum Schluss würde ich noch gerne wissen, was euer Lieblingslied ist?

Andrea:

So ziemlich alles von Bob Marley.

Lamine:

Ich habe vergessen, wie das Lied heißt, aber es ist von Youssou N’dour und spricht von afrikanischer Solidarität.

Louis-Jean:

„Asimbonanga“ gesungen von Johnny Clegg. Auf YouTube kann man sich sogar ein Konzert ansehen, wo Mandela mit auf die Bühne kommt.

Vielen Dank….

 

Kommentare sind geschlossen